geboren 1943, lebt in Winterthur und Paris. 2008 veröffentlichte er im Wolfbach-Verlag den Roman "Gezeichnet". Aus dem essayistischen Werk liegen bisher in Buchform vor: "Die Krise der Neuzeit" Das Drama der prometheischen Selbstsetzung. (Mit einer einleitenden Studie zur historischen Vernunft von Christoph Dejung.) 3 Bände, Wiesbaden 1995. "Aufsässigkeit" Plädoyer für das Widersacherische aus theologischer Sicht. Wien 2001. "La Dissidence" Plaidoyer pour l’esprit de contradiction. (Préface: Jean Ziegler, La révolte des Justes.) Paris 2006.
HEINRICH LÜSSY SOZIALE GERECHTIGKEIT
Volkswirtschaft im Zeitalter der Globalisierung
Eine Kampfschrift
Broschur, 88 Seiten
ISBN 978-3-905910-14-8
CHF 16.– Euro 11.–
Es ist aus der Mode gekommen, von Gesellschaftsklassen zu sprechen, und Klassenkampf gar gehört in die Mottenkiste des Marxismus, der bekanntlich seit 1989 vorbei ist. Vermeintlich sitzen wir alle im selben Boot, und zwar als gleichberechtigte Sozialpartner in einer offenen demokratischen Gesellschaft. Weshalb gibt es dennoch die Stimmen, die vor Klassenkampf warnen oder ihn negieren, und damit die Vermutung nähren, dass an der Sache doch etwas dran sein könnte? Vielleicht weil nicht alle im Boot gleichermaßen genötigt sind, sich in die Riemen zu legen, sondern einige wenige sich rudern lassen, während viele andere sich schinden? Wäre es also möglich, dass diejenigen, die die Existenz verschiedener Klassen innerhalb der Gesellschaft und damit selbstverständlich auch den Klassenkampf negieren, dies zur Durchsetzung eigener Interessen tun, also selber einen verschwiegenen Klassenkampf führen? Denn wer den Vorteil hat, muss die Benachteiligten beschwichtigen, um ihn behalten oder gar vergrößern zu können. Also denk dir, es wäre Klassenkampf, und keiner will es merken!
Zwar treten in der modernen demokratischen Gesellschaft Klassen tatsächlich nicht mehr evident hervor. Trotzdem wird der Gegensatz von Kapital und Arbeit in der Auseinandersetzung der unvereinbaren Interessen manifest. Verschleiert wird er allerdings dadurch, dass bis zu einem gewissen Grad die Besitzer der Arbeitskraft auch zu Besitzern von Kapital geworden sind. Der Klassenkampf geht also durch den einzelnen Kopf, was diesen verwirrt. Um ihn zu klären, soll sich sein Träger bewusst werden, dass er in einer globalisierten Welt nur schon als Konsument in die Marktmechanismen mit hineingezogen ist, die zur Entrechtung und extremen Ausbeutung von Massen, zu Hungersnot und Krieg führen.
Der Widerstand gegen das große Elend beginnt durchaus im eigenen Land bei der kleineren Ungerechtigkeit, denn das kapitalistische System schafft überall den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, eben auch in den entwickelten Ländern mit einer offenen demokratischen Gesellschaft, die sich am Ende der Geschichte angekommen wähnt.
HEINRICH LÜSSY
BÜHLSTRASSE Kinderszenen BÜELSTRAASS Chindeszeene
Gebunden, 120 Seiten, deutsch und schweizer Mundart
ISBN 978-3-952 3334-6-4
CHF 34.- EUR 23.-
Die Bühlstraße ist der Schauplatz, auf dem der vierjährige Franz sich in seine Rolle unter Altersgenossen einübt. Von Beginn an hat er es schwer, denn sein «Fran-zosenbéret» und das ungeschlachte hölzerne Dreirad, das er mitbringt, stempeln ihn zum Außenseiter. Dazu kommt, dass ihm nach der Geburt des Bruders von Seiten der Eltern nicht mehr dieselbe Aufmerksamkeit wie vorher zuteil wird. Eigentlich hätte Franz gerne eine Schwester gehabt. Die «Kinderszenen» handeln zwar von einem Kind, doch sind sie so wenig kindlich wie Schumanns Klavierstücke unter demselben Titel. Schlaglichter der Erinnerung vergegenwärtigen Anlagen und Anfänge eines Charakters, dessen Entwicklung und Schicksal sich bereits abzeichnen. Der Text steht in Winterthurer Mundart. Parallel dazu wird die hochsprachliche Übersetzung gegeben. Im Nachwort äußert der Autor Gedanken zu Gedächtnis und Erinnerung.
„Erinnerungen sind an sich selber kostbar, wie die Träume, und ebenso strikt privat wie jene. Eine Veröffentlichung ist nur gerechtfertigt, wenn ein Zusammenhang sie nach außen wendet und verallgemeinert. Dies ist dann der Fall, wenn mit dem Mittel der Erinnerung eine Gestalt plastisch wird, in der sich ein Wille und ein Schicksal in ihrem Widerstreit zeichnen, – stellvertretend für jeden anderen Menschen.“ (Heinrich Lüssy)
Die «Kinderszenen» wird verstehen, wer sich selber im Kind, das man einmal war, zu erkennen vermag.
HEINRICH LÜSSY GEZEICHNET
Roman
344 Seiten, gebunden
ISBN 3-952 3057-7-4
CHF 39.- / Euro 25.-
Verwirrt durch ein unerhörtes, ihn tief beschämendes Ereignis auf der Kanalfähre, wird der britische Geologe Geoffrey Wright in ein pfiffig eingefädeltes Schelmenstück verwickelt. Dadurch wird es ihm unmöglich, von Paris nach Zürich weiterzureisen, um dort an einem wissenschaftlichen Kongress einen Vortrag zu halten.
Auf der Fähre zum Kontinent wird Vivian Reade in ein unerklärliches Handgemenge verwickelt. Blutstropfen fallen auf ihr Gesicht. Wochen später weist ihr Hals auffällige Male auf, und sie gerät unter einen Verdacht.
Gezeichnet sind also beide Protagonisten, und beide merken lange nicht, dass die sichtbaren Zeichen auf ein verborgenes Drama deuten. Die Handlung spielt zwischen 1994 bis 2004, das heißt in den zehn Jahren zwischen der Einweihung des Kanaltunnels und den ersten Vorboten des Erdbebens unter Faido. Sie führt auf verschiedene Schauplätze Europas: London, Paris, Turin, eine Region in den piemontesischen Alpen, Zürich, Winterthur, und ein Schweizer Bergdorf. Die weibliche Heldin wird von einem Piloten, der sich in ihr Leben einmischt, verführt und, nach einer weltentrückten Romanze, abenteuerlich in die Lüfte entführt. Dagegen droht dem Geologen der Boden noch ganz einzusinken. Erst im Scheitern ihrer Lebensentwürfe erkennen die beiden Hauptfiguren, dass die exzentrische Bahn, die sie durchlaufen haben, zur Selbstbegegnung führt. Die damit gewonnene individuelle Souveränität ermöglicht ihnen auch den Weg zueinander.



