ist von Beruf Ökonom und Sozialwissenschafter, der seine wissenschaftlichen Sporen an den Universitäten von Basel, von Sussex und an der ETH-Zürich abverdient hat. Seit Jahren befasst er sich mit Entwicklungsfragen und Politikberatung, früher in Asien, heute hauptsächlich in osteuropäischen Ländern und im Nahen Osten. In seinem literarischen Schaffen setzt er sich mit dem Widerstreit technologischer und gesellschaftlicher Prozesse auseinander und bringt sie in überraschende und erhellende Beziehung zum täglichen Leben.
BIBLIOGRAFIE
Blindekuh in der Vehfreude (Funk&Wolk Verlag, Bern, 1994) mit dem Untertitel: ‚Über Technik, Moral und unsre Bilder von beiden’, eine hartnäckige Befragung unsrer un(-)heimeligen heilen Welt; sowie Über eine bemerkenswerte Methode, Pyramiden von oben nach unten zu bauen (Funk&Wolk Verlag, Bern, 2. Auflage, 1999), ein, wie die NZZ schreibt‚ höchst amüsantes Zwiegespräch zwischen dem mit Phantasie, Humor und Bildung ausgestatteten Kulturmenschen und dem professionellen Ökonomen, ...das die Ökonomie als Ganzes auf die Füsse stellt.’
Die Konkurrenz-Chaussée (Isele, Eggingen, 2004) ist als längerer literarischer Text der späte Roman-Erstling eines Autors, der zwar selber glaubt, dass es nicht schadet, wenn einer etwas Welt in die Schale werfen kann – und doch von der Entscheidung des Aargauer Kuratoriums überrascht worden ist: dem Buch wurde eine grosszügige Förderung zuteil und dem Autor ein literarischer Atelieraufenthalt in Berlin gewährt.
Alex Melzer lebt in Laufenburg und Horbach, beidseits der Grenze bei Basel.
ALEX MELZER GULLIVER BEI VOLTAIRE
Eine Ballade
Broschur, 96 Seiten
ISBN 3-9523057-3-1
Fr. 30.- Euro 20.-
1737, Jonathan Swift, am Ende seiner Karriere als Redenschreiber, Staatsschriftsteller und Satiriker in der irischen Heimat gestrandet, phantasiert auf seinem Krankenbett vor sich hin. Seine alten Fragen treiben ihn um: die Welt als Wechselbalg von Möglichkeiten; der Mensch als ungerechtes Wesen. Irland, seiner grünen Insel, ausgesogen von den Engländern, geht es schlecht. So schickt Swift seine Hirn-Figur, den Lemuel Gulliver, auf eine fünfte Reise, um sich bei seinem alten Freund Voltaire Antworten auf diese Fragen einzuholen.
Gulliver weiss nichts von der Absicht seines Erfinders, aber der obligate Schiffbruch erfolgt schon vor der Küste Frankreichs. Gulliver wird nicht nur wie üblich an Land gespült, sondern diesmal auch in ein Frankreich des einundzwanzigsten
Jahrhunderts. In einem TGV rast der halb Ohnmächtige durch die Landschaft. Erreicht das Schlösschen Cirey, wo Voltaire bei seiner Geliebten wohnt, in einer Blase aus purem 18. Jahrhundert.
Voltaire nimmt Lemuel unter die Fittiche – denn schliesslich kennt er Swift persönlich seit seinen Exiljahren in England –, um aus dem armen Gulliver und britischen Untertan einen rechten Encyclopädisten zu machen. Nur passen seine Erklärungen zur Weltlage besser zu einem Dandy in Perücke als zum 21. Jahrhundert, das sich ausserhalb der Gartenmauer ausbreitet. Die Gespräche Voltaires mit Gulliver erhalten ihre Würze aus dieser Diskrepanz.

